Familienaufstellung

gingerbread-man_8_640Man kann denken, was man will, aber jeder, der jemals eine Familienaufstellung erlebt hat, kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es sich zeitweise wie Zauberei – Hexerei anfühlt.

Vor vielen vielen Jahren habe ich mal als Beobachter an einer Aufstellung teilgenommen. Damals hatte ich kein eigenes Anliegen, sondern war „nur“ Stellvertreter. Ich weiss natürlich nicht mehr, worum es damals ging, aber ich kann mich an meine Emotionen erinnern. Sobald ich meinen Platz in der Aufstellung eingenommen hatte, überkamen mich Gefühle, die ich nicht beeinflussen konnte. Es passierte etwas mit mir. Damals erkannte ich das grosse Potential von Familienaufstellungen und auch die grosse Gefahr, denn der Therapeut muss in der Lage sein, mit absolut jeder Geschichte, jeder Situation sorgsam umzugehen. Er trägt eine so grosse Verantwortung, dass ich mich jahrelang sträubte, selber meine Familie aufzustellen. Und doch, der Wunsch blieb.

Im letzten Jahr hatte ich die Gelegenheit, an einem Wochenende verschiedene Aufstellungen einschliesslich meiner eigenen zu erleben. Das Erlebte hat mich verändert. Ich realisierte damals Zusammenhänge, erkannte Muster und konnte Frieden mit Episoden aus meinem Leben schliessen.

Dieses Wochenende hatte ich nun das zweite Mal die Gelegenheit, den selben Therapeuten zu erleben und mich ihm anzuvertrauen. Und es ist ein sich anver-Trauen, ein sich in seine Hände geben und darauf vertrauen, dass er sorgsam mit mir und meiner Seele umgeht. Und das hat er gemacht.

Gestern durfte ich zweimal stellvertretend stehen und beide Male war ich berührt, dass die Wahl auf mich fiel. Es war eine Ehre für mich, stellvertretend für jemanden anders zu stehen, die Gefühle wahrzunehmen, mich auch zu fragen, was davon zu meiner Geschichte gehört und was nicht, wo fange ich an, wo höre ich auf, wo fängt meine Rolle an und wo hört sie auf? Woher kommen diese Gefühle? Die Stärke der Energie zu spüren und auch aushalten zu müssen, all dies hat mich bewegt, berührt und nachhaltig geprägt.

Und heute, am Sonntag, durfte ich zwei sehr persönliche Aufstellungen für mich erleben. Die Gewalt der Gefühle, die mich zeitweise überschüttet und auch verschüttet hat, hat mir zum Teil den Boden unter den Füssen weggerissen und mir gleichzeitig auch wieder unsagbaren Halt gegeben. Ich durfte die Kraft, die in meiner Familie liegt, sehen. Ich habe meine Seele gesehen, wie sie die Krankheit körperlich bekämpft und erfolgreich abgeschüttelt hat. Ich durfte mich in den Armen des Lebens spüren und Kraft daraus schöpfen, um laut und deutlich zu sagen: „Ich liebe das Leben!!!“ Und auch den Tot zu sehen und keine Angst vor ihm zu haben, sind unbezahlbare Geschenke.

Worte können nicht beschreiben, was ich erleben durfte. Ich spüre Dankbarkeit, Demut, Zuversicht und noch mehr Dankbarkeit.