Montag. Ein wunderschöner Herbsttag. Ich bin froh, am Leben zu sein.

Da wir gestern nicht unser traditionelles Sonntagsfrühstück machen konnten, da wir unterwegs waren, hatten wir beschlossen, das Montagfrühstück zum Sonntagfrühstück zu erklären. Dafür musste jeder in dieser Familie 30 Minuten früher aufstehen, denn ein Sonntagsfrühstück braucht Zeit, d.h. mein Tag begann um 6 Uhr. Ich ging in den Garten, um weiter in meinem Buch zu lesen. Und der Duft vom Herbst begleitete mich. Die Sonne war zu sehen und ich sah einen blauen Himmel. Als dann der Duft von Speck und getoastem Brot durch’s Haus zog, war meine Welt in Ordnung.

day56

08:30 Uhr Kinder schulfertig, Stéphane Büro parat, ich Gartenarbeit-fertig

Es war wieder mal ein Cullerne Garden Tag. Die Fahrradfahrt war ein reines Vergnügen. Ich hatte einfach diesen Gedanken, dass ich unsagbar dankbar bin, diese Zeit erleben zu dürfen. Ich habe jeden Moment eingesogen. Im Garten angekommen, setzte ich mich einfach in die Sonne und liess es mir gut gehen. Da Erntevormittag war, zog es mich heute zu den runaway beans – so ein witziger Name, übersetzt so etwa die weglaufenden Bohnen. Keine Ahnung, wo der Name herkommt. Teepause wie immer und danach durfte ich sweet peas Blüten abschneiden, um Sträusse damit zu machen, die wir dann im Findhorn Park verkaufen (auf dem Bild unten rechts). Jeden Montag, Mittwoch und Freitag bringen wir einen Wagen mit erntefrischen Sachen in den Park und die Bewohner dürfen sich bedienen und lassen uns eine Spende da.

DSC_0505[1]Heute habe ich mal wieder im CC Mittag gegessen. Lecker. Das Küchenteam hat dringend um Hilfe gebeten. Und ich habe mich gemeldet, d.h. ich werde jetzt öfter in der Küche helfen, und damit viel lernen. Hoffe ich. Obwohl die Gespräche am Essenstisch lustig, witzig und angeregt waren, habe ich mich irgendwann zurückgezogen, um noch etwas in meinem Buch zu lesen. Ich merke, ich brauche Reden und Schweigen in einem ausgewogenen Verhältnis. Manchmal ist das Reden mir zu viel und manchmal erdrückt mich das Schweigen.

Der Nachmittag war für mich besonders. Jonathan und ich haben Jewels geholfen, einen Platz für einen Workshop bereit zu machen, in dessen Verlauf eine Schwitzhütte gebaut wird. Morgen ist der Workshop im Garten, und ein Baum musste weichen und Brennnesseln durften auch keine mehr zu spüren sein. Ich hatte noch nicht so viel Kontakt mit Jonathan bis zu diesem Zeitpunkt, also war es ein recht schweigsames Arbeiten. Aber irgendwann fanden wir einen gemeinsamen Punkt: Panikattaken, die wir beide kennen. Jonathan fragte mich, wie ich damit umgegangen bin und ich muss immer wieder sagen, dass es mehrere verschiedene Sachen waren:

  • Bach Blüte Rock Rose
  • Alltagsgegenstände im Detail beschreiben
  • meine Eltern anrufen und reden, um sicher zu sein, dass, wenn etwas passiert, jemand es hört
  • LOM – Lösungsorientiertes Malen mit Pia
  • SoulCollage®
  • Gespräche

Die Mischung war für mich erfolgreich. Ich habe ihm viel vom LOM erzählt und wie es für mich funktioniert hat. Besonders an Tagen, wo ich emotional nicht mehr konnte, konnte mich meine Kunsttherapeutin Pia mit einem LOM Bild auffangen. Das ist eines der besonderen Beispiele.day_after_29th_january_2015V3

Was für mich besonders interessant war, war der Fakt, dass ich mir solche intensiven Gespräche eigentlich immer wünsche und wenn ich dann eins habe, es mir fast wieder unangenehm ist, so viel zu reden. Es geht nicht um’s Preisgeben, sondern darum, nicht die Zeit der anderen Person vergeuden zu wollen. Na auf jeden Fall haben wir geredet und ich durfte ihn auf diese Weise besser kennen lernen.

Nach einer kurzen Teepause fragte Jewels mich, ob ich ein Blumenarrangement für die Kerze machen könnte für den morgigen Workshop, der auch eine Meditation beinhalten wird. Ich sagte natürlich ‚ja‚ ohne zu wissen, dass das wirklich eine Ehre hier in Findhorn ist. Ich machte also das Arrangement und stellte es in den Raum.

DSC_0507[1]Erst anschliessend erzählte mir Jewels, dass sie sich noch an das erste Mal erinnern kann, als sie gefragt wurde. Plötzlich bezweifelte ich, dass mein Arbeit gut genug war. Ich hatte der ganzen Sache nicht die Bedeutung gegeben, die es hier hat. Jetzt hoffe ich nur, dass sich morgen alle daran erfreuen.