Myanmar.

Mandalay.

Wir hatten für den Tag ein Taxi gebucht, dass uns in drei alte Königsstädte bringen sollte. Und als nicht Jo-Jo, unser Fahrer erschien, sondern ein Cousin (hier sind alle immer miteinander verwandt :-(, hätte ich es schon wissen müssen. Der Tag war eine Aneinanderreihung von kleinen Nichtigkeiten, die mich ständig nervten.

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Mahamuni Buddha
Also Jo-Jo Cousin fuhr uns zuerst zur Mahamuni Paya, obwohl die gar nicht auf unserer Agenda war. Dort sitzt ein fast 4m hoher Buddha, der um die 2000 Jahre alt sein soll und der in all den Jahren eine 15 cm dicke Schicht aus Blattgold von seinen männlichen Besuchern geschenkt bekommen hat. Wie am Goldenen Rock dürfen auch hier die Frauen nicht sehr nahe dran, so dass ich Stéphane in die heiligen Hallen schicken musste, um ein ordentliches Foto zu haben.

Uns führte ein Mönch herum und gab uns viele Erklärungen und Hintergrundgeschichten, die sicherlich interessant gewesen wären, hätten wir sein Englisch verstanden. Es gab day176bMomente, da hätte ich schwören können, er spricht kein Englisch, sondern eine mir total unbekannte Sprache. Und dann gibt es da sechs Khmer Bronzefiguren, die über Umwegen hier nach Mandalay gekommen sind. Aberglauben besagt, dass wenn man Schmerzen hat, soll man die selbe Stelle der Bronzefigur berühren und man ist geheilt. Also Alina polierte über die Füsse, beide Mädchen bohrten in der Nase und ich streichelte über den Kopf. Mal sehen, ob es DSC_2994[1]hilft. 🙂 Beim Reingehen erschien der „Kleiderpolizei“ mein Rock scheinbar nicht lang genug, obwohl der die Knien bedeckt. Also wurde ich in einen Longyi gesteckt. Und plötzlich wollten die Mädchen auch einen. Was die Damen uns allerdings nicht gesagt hatten war, dass wir nach Rückgabe 2000 kyat bezahlen mussten. Nicht viel Geld könnte man denken, ist es auch nicht, aber der Fakt, dass man es vorher verschweigt, empfand ich nicht ok. Wieder neue Lernerfahrung. Grundsätzlich nach dem Preis fragen, denn kostenlos ist hier gar nichts.

Um die Mahamuni Paya liegen unzählige Steinhauerwerkstätten. Die Luft ist in weissen Staub getränkt und man kann an Verkaufsständen Buddhas, Tiere oderDSC_3001[1] Ketten kaufen. Hauptsächlich produzieren die Werkstätten allerdings für die Tempel grosse Buddhafiguten. Was mich traurig gemacht hat, sind die Arbeitsbedingungen. Hier sehe ich wieder, dass wir in einem armen Land sind, wo ein Menschenleben nicht viel zählt. Dieser junge Mann ist über und über mit weissem Steinstaub bedeckt. Mundschutz habe ich ausser bei den Touristen nie gesehen. Gesund kann das nicht sein für die Lungen.

Weiter ging die Fahrt. Mir hatte der süsse Tee, den wir am Vortrag offeriert bekommen hatten, so gut geschmeckt, dass ich den Fahrer bat, wo anzuhalten, wo ich Tee kaufen/trinken könnte. An einem Teehaus machten wir kurz Pause. Hier erhielt ich leider nur eine winzige Espresso-kleine Tasse mit Tee, gerade mal genug, um noch mehr Appetit zu machen. Ich hatte schon Jo-Jo und heute auch seinem Cousin gesagt, dass ich mich für keine Fahrt von einem Laden zum nächsten interessieren würde. Leider änderte das nichts an der Strecke. Sicherlich wie mit allen anderen Fahrgästen ging es zu einem Geschäft, wo man Holzschnitzereien und DSC_3013[1]Perlenarbeiten kaufen konnte. Die Frauen sitzen auf dem Boden und haben diesen Tisch auf dem der Stoff gespannt ist. Dann werden Perlenketten und Payetten aufgenäht. Das Ergebnis sieht wunderschön aus. Mit diesen Materialien werden auch Marionetten angezogen, die man dort kaufen konnte. Wir hatten unseren Spass, bei den Köpfen die Zunge rausstrecken zu lassen.

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Frosch als Spendentopf Sagaing Hill
Dann reiten wir uns ein in den Verkehrsstau nach  Sagaing, der Hauptstadt eines unabhängigen Shan Königreiches in 1315. Wenn man in Richtung Sagaing fährt, führt der Weg über eine Brücke. Die Aussicht ist atemberaubend schön, wirklich unzählige kleine und grössere Stupas sind zu sehen, dann der Fluss, die Landschaft… ich liess das Taxi zurück und ging über die Brücke, um den Moment wirklich geniessen zu können, denn Sagaing Hill ist auch nur wieder ein Tempel auf einem Berg. Ich glaube, wir kommen langsam an einen Sättigungspunkt, wo eine Pagoda aussieht wie eine andere. Halt schön. Aber mehr auch nicht. Die Aussicht selber vom Hügel ist schön, aber ich merkte langsam den Zeitdruck. Es war 13:00 Uhr und wir hatten gerade mal die erste der drei alten Königsstädte besucht. Mittag hatten wir auch noch nicht gegessen. Und um 17:00 Uhr wollten wir den Sonnenuntergang an einer bestimmten Stelle sehen. Also marschierten wir zurück zum Taxi und fuhren in Richtung Inwa (Ava). Seit 1364 war Inwa drei mal königliche Hauptstadt. Heute kaum vorstellbar, denn Inwa ist für uns das Disneyland Myanmars. Vielleicht gibt es noch schlimmere Orte, aber das war wirklich eine Erfahrung – und keine gute. Aber alles fing damit an, dass wir an einer Art Hafen ankamen, wo alle Taxi ihre Gäste in eines der Restaurants ausgespuckt hatten. Hier war Mittagessen angesagt. Wir hatten bis jetzt so oft leckeres Essen, dass sich hier zeigte, was passiert, wenn es zu viele Touristen hat, die sich nicht beschweren können: Das Essen wird schlecht. Mir lag es den ganzen Tag im Bauch und abends half nur noch ein Whisky. Nun, nach diesem Festmahl für die Geschmacksknospen mussten wir auf eine Fähre, die uns über den Fluss setzte. Auf der anderen Seite wurden wir zuerst von Glöckchen verkaufenden Frauen und dann DSC_3040[1]von Pferdewagen besitzenden Männern umgarnt. Wir hatten nicht viel Zeit, um uns wirklich etwas anzusehen, also schlugen wir die Pferdewagen aus und liefen los. Aber so einfach war das nicht, denn die Pferdewagen fuhren uns nach. Der Preis ging runter und runter und runter. Es wurde lächerlich. Um auf Inwa sich die zwei wichtigen archäologischen Sachen anschauen zu können, müssen sich Touristen ein combo Ticket kaufen, dass pro Person 10,000 kyat kostet (ca. 13 Dollar). Die Einheimischen brauchen nichts zu bezahlen. Stellt euch das doch mal ind er Schweiz vor, der Eintritt in ein Museum ist für die Schweizer frei und für alle anderen kostet er etwas. Wäre doch komisch? Ode nicht? Hier ist es normal. Ganz oft haben wir das schon gesehen. Kein schönes Gefühl, also gingen wir in die kindliche Verweigerung und verbrachten unsere 90 Minuten damit, durch den Staub zu laufen, und uns über die Situation lustig zu machen. Von einem guten Taxifahrer hätte ich erwartet, dass er mir rät, nicht überzusetzen, sondern die Zeit sinnvoller wo anders zu verbringen. So war es mehr als nichts und weniger als etwas.

Zurück im Taxi ging es zur dritten Königsstadt Amarapura. Ein Königspalast ist hier nicht mehr zu sehen, denn der wurde 1857 abgebaut und in Mandalay wieder zusammengesetzt. Lang lebe Lego ! Aber eine Sache ist in jeder Reisebroschüre zu sehen: die U Bein Brücke. Die 1188 m lange Brücke könnte die meist fotografierte Stelle in Myanmar sein. Sonnenuntergang ist der Moment, wo sich alle versammeln, und um die besten Plätze kämpfen. Auch hier half unser Fahrer nicht. Er setzte uns an der Brücke raus und das war’s. Aber wir sind ja klug und das Ergebnis ist traumhaft.

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U-Bein Brücke
Sobald die Sonne weg ist, verlassen alle schlagartig den Ort. Wir hatten noch von einer Touristin, die ich auf dem Sagaing Hill gefragt hatte, wo sie ihren Longyi gekauft hatte, erfahren, dass in einer Seidenfabrik sie sehr günstig zu kaufen waren. Ich bat also unseren Fahrer, uns dahin zu bringen. Es gibt aber scheinbar mehr als eine und er fuhr uns zu einer, wo die Preise nicht interessant waren.

Wenn ich auf den Tag zurück blicke, bin ich enttäuscht. Der Fahrer hat seine Route gemacht, wie immer, ist nicht auf persönliche Wünsche gut eingegangen, kannte sich sicherlich auch nicht so gut aus, um uns Ratschläge zu geben. Jo-Jo hatte uns, als er uns vom Busbahnhof ins Gästehaus fuhr, sein Gästebuch gezeigt. Und natürlich standen nur gute Sachen drinne. Schade, dass ich meine Erfahrung nicht auch reinschreiben könnte. Stéphane fasst es so zusammen: Man kann nicht immer Glück haben und heute waren wir an der Reihe, enttäuscht zu sein.

Da Alina und ich zu einer total absurden Zeit morgen aufstehen – nämlich um 3 Uhr in der Früh – gehe ich jetzt ins Bett. Gute Nacht.