Myanmar.

Mandalay – Hsipaw

Heute morgen um 2:45 Uhr klingelte der Wecker. Anziehen, Zähne putzen, Rucksäcke aufsetzen und mit dem Taxi zum Bahnhof. Dort wollten wir den Zug um thumbnail04:00 Uhr nehmen, der uns nach Hsipaw bringen sollte. Für die Strecke brauchten wir von 4 Uhr bis 16 Uhr also 12 Stunden. Aber es hat sich gelohnt, jede einzelne Minute.

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Fahrplan – theoretisch 🙂
An alle Zugliebhaber, dass ist eine Fahrt, die es zu erleben gilt. Die zu breiten chinesischen Wagen für die britischen Schienen wackeln ohne Pause zum Teil so stark, dass der Gang zur Toilette zum reinen Abenteuer wird.

Wir hatten Upper Class gekauft. Man kann auch ordinary class fahren, sitzt dann allerdings auf Holzbänken in überfüllten Abteilen. Im upper class hatten wir Sitze, die wir zurückstellen konnten, so dass es fast ein Liegen war. Wir hatten auch viel Platz für die langen europäischen Beine. Sonst ist upper class ein Witz. Wasser läuft durch das Dach rein und überschwemmt den Fussboden, so dass wir unsere Sitzreihe A gegen C eintauschen mussten, damit die Taschen nicht nass werden.

Die ersten zwei Stunden haben wir fast geschlafen, denn es war noch dunkel UND so kalt. Im Zug habe ich erst einmal alle Rucksäcke wieder ausgepackt und Wintersachen raus genommen. Flies, Mütze, Schal, Handschuhe, Socken… dann wurde es langsam erträglich. Wir sind halt bis jetzt sehr verwöhnt gewesen vom Winter hier, aber um diese Uhrzeit ist es wirklich kalt. Nachdem wir alle warm eingepackt waren, konnten wir entspannt dösen.

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Winterkälte

Kurz nach Mandalay, als es noch dunkel war, hielten wir plötzlich an und ich hörte lautes Hämmern. Es nahm einfach kein Ende, so dass ich mich entschied, mal DSC_3172[1]nachzuschauen. Auf dem Bahnsteig stand eine Ziegenherde, die verladen werden sollte und so gar keine Lust hatte, einzusteigen. Die ziemlich frustrierten Hirten hatten zum Schluss keine andere Wahl mehr, als die Ziegen auf ihre Schultern zu heben und durch das Fenster des Wagons zu “beförder“. Tierfreundlich geht anders, aber ich habe keine Ahnung, ob es anders bei uns in Europa läuft. Ich konnte es nie beobachten. Die restliche Fahrt habe ich damit verbracht, staunend aus dem Fenster zu schauen. DSC_3332[1]Die Landschaft veränderte sich langsam. Wir sahen Berge, viel Landwirtschaft, Ortschaften, und was mich besonders freute, weniger Müll. An verschiedenen Bahnhöfen hielten wir immer wieder an, und Frauen kamen am Zug vorbei und boten ihre DSC_3252[1]essbaren Sachen an. Anfänglich brauchten wir nichts zu kaufen, dann wir hatten uns extra etwas aus Mandalay mitgenommen, gegen Mittag nahm ich allerdings gerne das Angebot an und wir holten uns Poulet mit Reis, Nudeln, gedämpfte süsse Kartoffeln, frittierte “weiss nicht was” und Wassermelone und Ananas als Dessert. Ein Festessen und das für knapp Fr. 3. Ich liebe es.

Und dann kam der bekannteste Teil der Zugfahrt: das Gokteik Viadukt. 1901 von einer amerikanischen Firma gebaut, war diese 96 m hohe Eisenbahnbrücke mit ihren 688 m Länge zu dem Zeitpunkt die zweit grösste. Heute ist sie ein Touristenmagnet und ziemlich cool.

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Als wir gegen 16 Uhr endlich gut durchgeschüttelt in Hsipaw ankamen, holte uns ein Taxi vom Gästehaus ab und brachte uns gleich zu unserer Unterkunft. Angekommen, gingen wir noch einmal kurz los, um uns den von Barbara empfohlenen shake von Mr Shake zu holen. Und Barbara hatte recht. Ich nahm einen Avocado – Ananas shake und er war wahnsinnig gut. Schmeckte gar nicht nach Avocado, füllte aber den Bauch gut.

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bei Mr Shake