Bali.

Jodie O’Shea Kinderheim

Alina und mein Morgen begann sehr früh. Um 06:15 Uhr standen wir zwei auf, um an den Strand zu gehen. Auf unserer Fahrradtour hatten wir Fischer gesehen, die draussen in der Brandung standen und das wollte ich natürlich unbedingt auch machen. Als wir allerdings zum Strand kamen, war die Ebbe gar nicht so ebbig… 🙂 und es war unmöglich, raus zugehen. Also machten wir einen schönen Strandspaziergang.

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sorry, für den schiefen Horizont 🙁
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DSC_4999[1]Dabei trafen wir auch auf zwei Pärchen, die gerade Fotos machen liessen. Hier auf Bali ist Heiraten ein Investment in den Schuldenkreis. Die Hochzeit kann über IDR 80 000 000 (Fr. 6000) kosten. Das ganze Dorf wird eingeladen. Es gibt vor-Hochzeitsfotos, Hochzeitsfotos und Fotos von danach. Es wird 3 Tage gefeiert u.s.w. Das Paar, das ich hier fotografiert habe, heiratet im Juni. Aber solche Ausflüge werden gestellt und jeder Moment wird festgehalten. Radka, eine der Freiwilligen im Kinderheim heiratet in wenigen Wochen und ist ganz fest in dem ganzen Rummel. Die Familie ihres Bräutigames kommt ihr schon viel entgegen und so wurden z.B. nicht über 1000, sondern nur 200 Gäste eingeladen. Alle von seiner Seite, sollte erwähnt werden. Für ihre Familie ist es zu teuer zu kommen. Die Hochzeit ist finanziell, das Letzte, was die Eltern für ihre Kinder bezahlen. Und es muss geprotzt werden bis zum Umfallen.

Wieder zurück im Haus, gab es schnell Frühstück und dann ging Stéphane arbeiten und wir…

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Die Kinder hatten gebettelt, dass wir noch einen zweiten Tag ins Kinderheim gehen. Also gingen wir.

DSC_5012[1]Ich verbrachte meinen gesamte Zeit in der Bibliothek. Momentan sieht es so dort aus. Und die Helfer versuchen, eine Ordnung ins Chaos zu bringen. Dafür markieren wir die Bücher mit einem farbigen Klebeband, dass ich schon am ersten Tag gekauft hatte. Bis zum Mittag waren wir zu dritt, dann gingen die zwei Freiwilligen nach Hause und ich blieb alleine im Zimmer. Das war weniger schön und mühsam für mich. Irgendwann kamen Alina und zwei Mädchen wieder rein und lasen Bücher und ich konnte auch wieder motivierter arbeiten und die letzte Stunde war super: Arbeitsteilung und Teamwork. Ein Kind hat die unterschiedlichen Klebebandfarben geschnitten, ich habe ein Buch nach dem anderen vom Fussboden aufgehoben, entschieden, in welche Kategorie es geht, Klebeband drauf gemacht und an die anderen Kinder weitergegeben, die es dann ins Regal gestellt haben. Wir waren so schnell!!!

Die Freiwilligen, die dort arbeiten sind z.B. Sozialarbeiterauszubildende aus Schweden, die hier ihr 3-monatiges Praktikum absolvieren mit der Idee, nicht nur zu sehen, wie die Umstände in Schweden sind, sondern auch zu lernen, wie es in anderen Ländern gemacht wird. Das würde doch auch unseren Sozialarbeitern gut tun. Der Blick über den Tellerrand. Der Blick in eine andere Kultur. Vielleicht könnten wir in unserer „ach so hoch entwickelten Industriegesellschaft“ doch noch das eine oder andere lernen.

Wenn ihr helfen wollt, hier wird das Geld wirklich für die Kinder ausgegeben. Das kann ich garantieren. In vielen anderen Heimen müssen die Kinder arbeiten. Wir hatten z.B. am Vortrag Kinder im Strandcafe gesehen, die um Geld gebettelt haben. Sie trugen ein Schild, dass sie von einem Kinderheim kommen und den Touristen geht natürlich das Herz und die Geldbörse auf. Aber in vielen Fällen geht das Geld nur an den Heimbesitzer oder an andere korrupte Erwachsene. Im Jodie O’Shea Kinderheim passiert das nicht und 10 Kinder im Heim haben noch keinen Sponsor, brauchen also unsere Unterstützung für Schuluniform, Anziehsachen, Nahrung u.s.w.

Konto Nr. 5801 309 757
Kontoname YayasanManusiaUntukMasyarakat
Bank Bank Permata
Branch DewiSartika Denpasar, Bali, Indonesia
Swift Code BBB AI DJA

Um 17 Uhr war Feierabend und wir gingen mit unseren go jeks zum Eis essen. Das hatten wir uns verdient. Wieder zu Hause war nur noch duschen, essen und ab ins Bett.

Alina reagiert auch ziemlich stark auf die Akupunktur und die Tabletten. Sie ist extrem dünn häutig und reagiert über bei jeder Kleinigkeit und ihre Füsse sehen momentan auch sehr schlimm wieder aus. Ich bin mal gespannt, was der Therapeut am Freitag sagt, wenn er sie sieht. Sie war auf jeden Fall noch vor 20 Uhr im Bett und eingeschlafen. Ich folgte kurz nach 20 Uhr und schlief problemlos und sofort ein.

Nachtrag vom Vortag…

Da war sie wieder meine mir wohlbekannte Panik. Der ganze Tag war gut gegangen. Nichts war passiert. Und am Abend sass ich im Wohnzimmer und hatte dieses Gefühl, dass ich nicht beschreiben kann. Aber ich ging ins Bett. Das habe ich immer gemacht. Mit meiner völlig verqueren Logik, dass wenn etwas passieren würde, wäre ich wenigstens im Bett und würde weich liegen… Auf jeden Fall versuchte ich mich zu beruhigen. Und genauso wie früher, klappte nichts, also nahm ich mir meine Bach Blütenflasche Rock Rose zur Hand, die ich in Jahren nicht mehr angefasst hatte. Gestern Abend brauchte ich sie und nahm nicht nur ein paar Tropfen, sondern klammerte mich auch an der Flasche fest. Ich versuchte, einzuschlafen. Die normalen Körperzuckungen weckten meinen Geist wieder auf und ich lag wach im Bett. Es wurde schlimmer. Die Wellen kamen in kürzeren Abständen und wurden auch intensiver. Stéphane war schon lange eingeschlafen und ich weckte ihn wieder auf. Ich wusste einfach nicht, was passieren würde. Würde ich doch wieder einen epileptischen Anfall bekommen? Hatte die TRE Therapie mehr ausgelöst, als mein Körper vertragen und ertragen konnte? Der Anruf an den Therapeuten, um die nächste Sitzung abzusagen, spielte ich x-mal im Kopf durch. Wenn mein Körper schon so stark auf die erste Sitzung reagiert, wo der Körper gar nicht so viel Trauma losgelassen hatte, wie würde es erst werden nach der zweiten Sitzung. Nein, das wollte ich gar nicht wissen. Dann schwirrten da Fragen, wen wir im medizinischen Notfall anrufen würden. Was ist eigentlich die Nummer der Ambulanz auf Bali? Könnte ich unsere Vermieterin, Sally, anrufen, die eine Psychotherapeutin ist? Senkrecht sass ich im Bett und bat Stéphane mir sogar, eine Geschichte zu erzählen. Nun ich will es mal so sagen, ich war dankbar für die Geschichte, aber die zwei Mädchen, die einen Gnom in einer Höhle kennen lernten und ihm das Sonnenlicht zeigten, war nicht die beste Geschichte, die ich jemals gehört hatte. 🙂 Die Tropfen machten mich langsam wieder müde. Aber diese Angstwellen kamen immer noch. Ich weiss nicht, wann ich eingeschlafen bin, aber ich schlief gut und wachte gut auf. Nichts war passiert.

Komischerweise konnte ich mich am Morgen zwar an alles erinnern, aber das Gefühl war nicht vorhanden. Den Anruf habe ich nicht gemacht.