Sum­ma sum­ma­rum war der heutige Tag fast ganz ‚calm‘. Genau das, was ich von der gestrigen Beratung im Lush Geschäft empfohlen bekommen habe.

Da die Mädchen gestern wegen des Konzertes später als üblich im Bett waren, es heute morgen geregnet hat und ich, wenn ich ganz ehrlich bin, auch keine Lust hatte, sind wir heute ausnahmsweise mal mit dem Auto nach Cullerne gefahren. Da hatte der Regen allerdings schon aufgehört. Nun ja.

Der Vormittag war extrem entspannend. Wir waren eine recht kleine Gruppe und ich durfte den Wein hochbinden. Das Problem war nur, dass ich eigentlich davon keine Ahnung habe. Lieber Papa, das hättest du mir mal beibringen sollen. Jetzt habe ich im Zwiegespräch mit der Rebe mein Bestes gegeben.  Alina hat den Morgen doch mehr spielend als arbeitend verbracht, Lara wurde allerdings von Marc gelobt. Sie hätte wirklich toll mitgemacht. Es ist schön, so etwas über meine Kinder zu hören. Ich erziehe sie nicht, damit sie in die Gesellschaft passen, sondern entsprechend meiner Werte und damit der Werte meiner Eltern und deren Eltern. Und das gemeinsame Arbeiten war immer schon ein fester Bestandteil meiner Familie. Dass ich das als Kind anders gesehen habe, ist sicherlich nicht überraschend. Und doch versuche ich, gerade hier in Findhorn meinen Mädchen genau das mitzugeben. Wenn wir in den Garten gehen, dann um zu arbeiten. So verdienen wir uns unsere meal tickets, dürfen also im CC essen gehen. Keine Arbeit. Kein meal ticket.

Die Mädchen hatten sich in der Woche mit zwei anderen Mädchen angefreundet, die die Family Experience Week machen. In der Teepause habe ich dann noch ein bisschen mit deren Papa geredet. Es war so eindrücklich: Die Art seines Redens erinnerte mich an einen gestressten Manager. Also fragte ich ihn unverbindlich, wie ihm die Zeit in Findhorn gefällt und wir fingen an, uns auszutauschen. Er hatte das Gefühl, momentan noch nichts ‚gelernt‘ zu haben. Nach ein paar gezielten Fragen flogen ein paar Erkenntnisse durch die Luft und ich fühlte mich wiedermal als Coach. Coaching ist nicht nur ein Job für mich. Ich liebe es. Die Veränderung, in der kurzen Zeit beobachten zu dürfen, war für mich ein Geschenk.

Die Regenwolken hatten sich verzogen und wir genossen im strahlenden Sonnenschein unsere Sandwiches während der Mittagspause.

Der Nachmittag war ähnlich erholsam. Ich kam ins Gespräch mit einer PhD Studentin und wir redeten über ihre Thesis. Gleichzeitig jäteten wir in den Stangenbohnen. Die Mädchen durften wieder mit Marc ‚den Bäumchen Häuser geben‘ – so würde Lara es beschreiben. Während ich meine Arbeit machte, konnte ich gut verfolgen, wie Marc mit Lara und Alina sprach. Ganz im Gegensatz zu mir ermunterte er sie, langsam zu arbeiten. Er betonte immer wieder, sie hätten alle Zeit der Welt. Mein innerer Antreiber ‚Beeil dich‘ würde mir das gar nicht erlauben.

Auch das ist reisen für mich: Durch die Bekanntschaft mit anderen Menschen dürfen Lara und Alina andere Werte, Denkweisen und auch Verhaltensweisen kennen lernen und haben damit eine gute Chance, mein Familienmuster zu erweitern.

Unglaublich war, als wie heim fuhren – hab ich schon gesagt, dass es seit unserer Ankunft das erste Mal überhaupt war, dass wir mit dem Auto nach Cullerne gefahren sind? – stand eine junge Frau an der Strasse und spielte Tramper. In einer Millisekunde erkannte ich sie als unseren zweiten Vokaliser vom letzten Jahr während unserer Family Experience Week. Also Vollbremsung. Und genau in dem Moment erkannte sie uns auch. Wir nahmen sie natürlich mit und erfuhren, dass sie momentan auch in Forres wohnt und wir versprachen einander, nächste Woche einen Kaffee gemeinsam zu trinken. Ich freue mich riesig darauf.

day24