Unser erster Wochenendausflug – Orkney (1/2)

Am Morgen haben die Mädchen und ich noch unseren zweiten volunteer job begonnen. Barbara und Don sind ein sehr nettes älteres Ehepaar, die einen wunderschönen Garten hier in Forres haben. Auf meine Annonce in der Rainbow Bridge, der lokalen Findhorn Foundation Zeitung, hatten sie sich gemeldet, und unser erstes Aufeinandertreffen war von gegenseitiger Sympathie gekennzeichnet.

An diesem Morgen konnte ich meine Muskeln spielen lassen: Trimmer benutzen und Kompost wenden. In all den Wochen in Cullerne war ich am Feierabend nicht so kaputt wie an diesem Freitagmittag gewesen. Kaputt in einer guten Art und Weise. Ich wusste, was ich geschafft hatte, es hatte mir Spass gemacht und die Atmosphäre war nicht nur höflich, sondern freundlich, lustig, spassig und wertschätzend. Alles Sachen, die meiner Seele gut tun.

Mittags fuhren wir mit unseren Fahrrädern heim. Dann galt es Tasche packen, Auto packen, Mittag essen und Abfahrt. Die 240 km führten uns durch traumhaft schöne Landschaften. Wir fuhren durch Hochebenen, entlang Loch(s) und der Ostküste. Das Thermometer ging nie höher als 15°. Es war also verdammt kalt für einen Augusttag. Aber das ist Schottland. Pünktlich kamen wir an der Fähre an. Um Zeit zu sparen, hatten wir Sandwiches zu Hause vorbereitet, die uns jetzt als Abendbrot dienten. Die Pentland Ferries ist eine hauptsächlich offene Fähre, d.h. die Autos stehen in der Mitte auf dem Deck und die Passagiere sind entweder drinne oder auf dem oberen offenen Deck. Witzig war, als wir losfuhren, gingen die Autoalarme an. Obwohl es überall gestanden hatte, hatten doch einige Autofahrer vergessen, den Alarm zu deaktivieren. Durch das Schaukeln der Fähre eingeladen, machten die Autos Musik. Sonst bliess uns ein kalter Wind um die Nase. Die Einheimischen im t-shirt und kurzen Hosen, wir aus der kalten Schweiz in Unterhemdchen, t-shirt, langärmeligen Pullover, Fleece, Winderjacke mit Kapuze und Hose in Strümpfe gestopft – so unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein.

Mein Gott ist die Landschaft schön. Keine Kamera der Welt kann das einfangen, was wir gesehen haben an Lichteffekten, Spiegelungen auf dem Wasser, den unterschiedlichen Inseln, den gefährlich aussehenden Wasserstrudeln…

Relativ pünktlich kamen wir in St Margaret’s Hope an und legten noch die restlichen 24km nach Kirkwall zurück, wo wir in einer Jugendherberge ein Zimmer gebucht hatten. Stéphane machte eine für mich komische Bemerkung: Er fühle sich zum ersten Mal so richtig, wie auf einer Insel. Nun ich konnte damit nicht viel anfangen, denn irgendwie ist Grossbritannien ja auch eine Insel und da hatte ich 7 Jahre lang gelebt (und er auch einige Monate…), aber er meinte nur, hier ist eben überall Wasser. Nun, das beschreibt ja auch eine Insel!

day25auf dem Weg zur Fähre irgendwo im nirgendwo zwischen Forres und Gills Bay