Australia.

Sydney.

Das ist unser letzter Tag in Sydney. Und ich bin traurig. Wir fühlen uns hier so wohl, haben Freunde gemacht und leben irgendwie meinen Traum. So was ist es, dass ich hier so mag?

Zum Beispiel heute morgen. Helena machte wieder Eierkuchen mit den Mädchen, hatte aber auch noch Pamela angerufen und gefragt, ob ihre Kinder kommen möchten. Und obwohl wir nur den Sohn erwartet hatten, stand plötzlich die ganze Falmilie vor der Tür. Dann kam noch Colin – unser Mitbewohner – dazu und wir waren auf einmal 10 Leute um den Tisch und auf dem Boden. Die Kinder lachten und spielten und wir Erwachsenen erzählten Geschichten und diskutierten Politik. Dieses ganz unkomplizierte sich treffen, beieinander sein, Freundschaft leben, vermisse ich irgendwie. Die Einladung geht also an die Leser, wenn wir wieder daheim sind, ich bin immer für solche Sachen zu haben. Wäre es nicht toll, wenn man einmal im Monat oder alle zwei Monate einmal so etwas an einem Samstag oder Sonntag machen könnte. Keine dinner party, für die ich vorher stundenlang in der Küche schwitzen muss, sondern ein ganz einfaches Eierkuchen-Frühstücksgelage, wo die Kinder Kinder sein können und wir völlig entspannt, Freundschaften pflegen können. Ich nehme mir dafür zu wenig Zeit.

Pamela kennt ihre Freunde schon seit Urzeiten, vielleicht macht das den Unterschied? Aber auch sie sagte mir, dass es immer schwieriger wird, Zeit für solche Sachen zu finden. ALLE sind IMMER extrem beschäftigt oder müde. Ich bin auch so eine Person, immer „on the go„, immer liegt irgendetwas an, und wenn mal nichts geplant ist, sitze ich müde vor dem Fernseher und lass mich beschallen. Ich möchte das ändern. Wir haben schon mit Stéphane gesagt, dass wir den alten Fernseher rausschmeissen werden, wenn wir heim kommen. Wir haben mit Leuten gesprochen, die Filme und Programme nur noch mit apps sehen und ich will das auch. Dann schaue ich immer nur noch, wenn ich wirklich etwas sehen will und nicht mehr den ganzen Mist, den ich sonst schaue, weil nichts anständiges im Fernsehen ist.

Man muss sich mal vorstellen, wir haben diese Leute erst vor 12 Tagen kennen gelernt und ich habe das Gefühl, dazu zu gehören. Ich habe keine Ahnung, ob die anderen das auch so sehen, ich habe nicht gefragt. Ich weiss nur, dass airbnb uns ein riesiges Geschenk gemacht hat…

Nach unserem Eierkuchenfrühstück setzten sich die Mädchen mit Esther, Pamela’s Tochter, in den Park ab und waren nicht mehr gesehen. Helena ging zur Arbeit, Stéphane „ins Büro“ und ich? Ich wollte unbedingt noch eine Tour mit der Fähre durch den Hafen machen.

Sydney’s öffentlicher Transport hat ein komisches System. Man kauft sich eine Karte, die man immer wieder aufladen kann, wie in London und sicherlich in anderen grossen Städten. Dann von Montag Morgen beginnend – wenn man 8 Fahrten gemacht hat, d.h. 8 Fahrten mit jedes Mal mindestens einer Stunde Pause dazwischen, sind sämtliche Fahrten danach für die Rest der Woche frei. Irgendwie haben wir das erst ziemlich spät in der Woche geschafft, aber gestern habe ich profitiert. Ich konnte die zwei-stündige Bootsfahrt kostenlos machen. Und es war wunderschön. Sydney hat unbeschreiblich tolle Ecken, wahnsinnig teuer Villen und Häuser, riesige Parks und viele der Punkte sind mit der Fähre erreichbar. Ich machte Fotos über Fotos, alle 10 Minuten mindestens eins.

Wieder daheim erfuhr ich, dass die Mädchen mit Pamela und Esther zum Baden gefahren waren, also packte ich die Rucksäcke der Mädchen und meinen, duschte schnell und dann fuhren wir auch schon gleich los. Wir waren verabredet mit Pamela und der Familie in einem äthiopischen Restaurant. Wir hatten mal eins in Fribourg und Stéphane und ich liebten das Essen dort. Dann machte es zu, leider. Vor Ort trafen wir auf noch zwei weitere Freunde der Familie, die sie noch aus London kennen. Das Essen war fantastisch. Anschliessend gingen wir noch auf einen Kaffee und einen Nachtisch in ein libanesisches Kaffee. Die Kinder waren vom Eis nicht begeistert und mein Nachtisch schmeckte auch irgendwie komisch, aber die Atmosphäre war super. Die Strassencafes waren voll und es roch nach Wasserpfeife und laute arabische Musik war zu hören. Eine interessante Ecke in Sydney.

Und das war unser Abschluss von Sydney.

day264