Was für ein Sonntag. Was für ein Sonntag.

Er begann damit, dass ich um ca. 3:30 aufgewacht bin und komische Geräusche gehört habe. Zuerst wusste ich nicht, woher die kamen, und was sie waren. Es klang als ob ein Wolf heult. Aber dann auch wieder nicht. Irgendwann bin ich aufgestanden und habe aus dem Fenster geschaut. Direkt vor unserem Haus stand eine Person auf ihr Fahrrad gelehnt und brachte diese Töne hervor. Ich dachte mir schon, dass er betrunken sein könnte, aber es war weder ein Singen, noch ein Lallen… Es war so laut und ohne Ruhepausen, dass an Schlafen nicht mehr zu denken war.

Zum Rausgehen und fragen, ob er Hilfe brauchte, hatte ich auch nicht den Mut. In keinem der anderen Häuser war Licht. Ob keiner was gehört hatte, oder alle nur weghörten, weiss ich nicht. Irgendwann kam mir ein psychologisches Experiment in den Sinn, wo man herausgefunden hatte, dass die Mehrheit der Leute in einer Stadt immer denken ‘ein anderer wird sich schon kümmern…’ und da ich nicht zu dieser Mehrheit gehören wollte, schaltete ich den Computer an, denn ich hab doch keine Ahnung, was die Notrufnummern hier sind. Irgendwann war klar 999 und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich den Notruf gewählt und wurde dann mit der Polizei verbunden. Die sagten, sie würden einen Streifenwagen vorbei schicken.

Der Anruf war beendet und seltsamerweise beruhigte sich die Person und es wurde still – unheimlich still. Ich lag zwar im Bett, aber schlafen konnte ich einfach nicht. Was wäre, wenn die Polizei käme und es gar kein Problem mehr gibt, würde ich dann eine Strafe bekommen? Einige Zeit später traf die Polizei ein und versuchte, den am Boden liegenden Mann, zum Aufstehen zu bewegen. Sein Fahrrad lag auch irgendwie auf ihm. Auf jeden Fall fing er wieder an, diese komischen Laute von sich zu geben. Aufstehen wollte oder konnte er aber nicht. Jetzt hatte ich die Sorge, dass die Polizei bei uns klingeln würde und die Kinder wach werden würden. Also entschloss ich mich, kurz rauszugehen, zu sagen, dass ich angerufen hatte. Beide Polizisten waren nett und versicherten mir, dass ich alles richtig gemacht hatte und sie eine Ambulanz gerufen hatten. Also ging ich beruhigt ins Haus und ins Bett.

Schlaf wollte nicht kommen, also gab ich es auf, stand endgültig auf, ging ins Wohnzimmer machte meinen Computer an und fing an Buchhaltung, für den Ferienpass zu machen. In der Zwischenzeit war auch die Ambulanz eingetroffen und versorgte den Mann. Irgendwann als die Sonne langsam aufging, war wieder Ruhe und Frieden in der Strasse ingezogen. Warum sollte ich jetzt um 5 Uhr ins Bett gehen. Also machte ich einfach mit der Arbeit weiter und meine Familie erwachte irgendwann so gegen 8 Uhr.

Das Frühstück weckte meine Lebensgeister und im Anschluss machten wir einen Ausflug nach Logie Steading. Logie Steading ist eine Ansammlung von kleinen Läden (Buchladen, Café, Kunsthandwerk, Schokolade, Filzen, Whisky…). Es ist recht  hübsch und recht teuer. Eine Bekannte hatte uns empfohlen von dort nach Randolph’s Leap zu gehen. Dort wäre der Fluss Findhorn am Schönsten. Also machten wir uns wie so viele andere bei strahlend blauem Himmel auf den Weg und fanden dabei…

day41

Lecker. Lecker. Und weiter ging  es zum Randolph’s Leap. Es ist eine wunderschöne Strecke immer am Fluss Findhorn entlang. Und dann – ja, und dann sind die Gurmelser in Schottland ‘verloren‘ gegangen. Wir sind zwar immer dem Fluss nach, aber irgendwie ja irgendwie gingen wir und gingen wir und wussten eigentlich auch nicht so richtig, wo wir sind. GPS funktionierte ok-ish, aber der Internetempfang war nicht da.

Irgendwann war die typische Situation:

Sie: ‘Dann lass uns doch fragen.’

Er: ‘Nein, wir finden es schon.’

Nun, ER musste auch nicht die Kleinste in der Gruppe animieren, weiter zu laufen, also übernahm SIE die Initiative. Als wir endlich auf einer Strasse ankamen uns die Wegweiser aber auch gar nichts sagten, stellte ich mich kurzerhand vor das nächste Auto und fragte nach dem Weg. Die wussten es auch nicht. Das zweite Auto zeigte uns den Weg und hatte noch einen Sitzplatz frei. Also fragte ich, ob sie Stéphane mitnehmen könnten nach Logie Steading und er könnte uns dann abholen. Gesagt getan. Und weg war der Mann. Wir suchten uns eine Ecke und warteten und wurden auch ziemlich schnell abgeholt. Es stellte sich heraus, dass der angebliche Rundweg so gar kein Rundweg war. Die angeblichen 3.4 km auf der Strasse waren sicherlich fast das Doppelte am Fluss entlang mit all seinen Biegungen.

Ende gut alles gut. Wir sind wieder daheim. Müde und erschöpft aber nicht verloren in der Wildness Schottlands. Und waren zum Abschluss noch zu einer kleinen Nachbarfeierlichkeit eingeladen. Hier haben wir eine ganze Menge Leute kennen gelernt, mehrheitlich Deutsche, wenige Engländer und fast keine Schotten.