Ein schöner Montag – sagen wenige Leute. Heute kann ich es ehrlich sagen.

Nach dem Wochenende habe ich mich schon auf Cullerne Garden gefreut. Montag – Erntevormittag. Und ich war wieder bei meinen Lieblingsgemüse: Mangold und Grünkohl und dann noch Bohnen. Die Zeit vergeht so schnell im Garten, traumhaft, besonders wenn ich beim Gemüse waschen helfe. Wir ernten alles vor der Teepause. Dann während alle anderen eine Pause machen, Tee trinken und etwas essen, sind einige damit beschäftigt, alles zu wiegen, zu waschen und auf die unterschiedlichen Abnehmer zu verteilen: Findhorn Park Kitchen, Cluny Kitchen und Park.

Oft sind nur Gartenteammitglieder, d.h. keine Gäste, keine Volunteers, keine Service Exchange beim Waschen. Ich hatte schon letzte Woche geholfen und auch heute bot ich mich an, zu helfen. Was schön ist, dass mir dann gesagt wurde, sie hatten auch an mich gedacht. Meine Arbeit und meine Arbeitsweise finden damit eine Bestätigung. Ein schönes Gefühl.

Was mir aufgefallen ist, dass ich mich  am Anfang nach Gesellschaft gesehnt habe, und  ich es mittlerweile geniesse, auch mal meine Ruhe zu haben. Dann setze ich mich nicht zu den anderen, sondern suche mir ein ruhiges Plätzchen, oder beim Mittag im CC sass ich am Tisch mit vielen vom Garten, und habe zugehört aber eigentlich nicht wirklich mit diskutiert. Als Kind war ich eher introvertiert. Dann dachte ich, hätte ich mich in eine extrovertierte Person verändert. Aber vielleicht stimmt das gar nicht. Ich kann sehr extrovertiert sein, brauche aber dafür andere Menschen, Freunde, die mich mitziehen. Momentan merke ich, dass ganz tief drinnen ich introvertiert, ruhig und fast schüchtern bin. Heute beim tuning in, hat Martin uns eingeladen, irgendwelche Geräusche zu machen. Links und rechts von mir wurde es laut, ich musste lachen, konnte aber selber kein komisches Geräusch machen. Also war ich ruhig und hörte nur zu. Aber nicht jeder muss ja ‚hemmungslos‚ sein. Ich habe immer noch meine Hemmungen, meine Schranken. Die gehören zu mir. Ich hab es noch nie gemocht, mich zum Affen zu machen. Mir war das immer peinlich. Wie heute. Nun, das gehört einfach zu mir.

Mittag war ein reiner Festschmaus. Zuerst essen im CC und dann bin ich noch alleine ins Café Blue Angel gegangen, um einen Kaffee zu trinken und ein Eis zu essen. Lecker. Und das alles bei wunderschönem Wetter, blauem Himmel und warmer Sonne.

Am Nachmittag wollte ich eher wieder alleine sein und entschied mich deshalb in meinem Flower Garden weiter zu jäten und nicht wie die anderen auf dem Feld zu arbeiten. Was hier in Cullerne angenehm ist, dass jeder seinen Raum bekommt, den er braucht. Keiner MUSS irgendetwas. Es ist immer ein KANN. Und wenn es nicht stimmig ist, wird eine Lösung gesucht und gefunden. So habe ich meinen Nachmittag im Selbstgespräch verbracht. Was für mich interessant war, war dass ich in der Nachmittagspause mich auf einen Stein in die Sonne gesetzt hatte, und mir so dachte, dass es jetzt schön wäre, jemanden zum Reden zu haben. Und voilà da war jemand, der fragte, ob sie sich dazusetzten könnte. Und dann haben wir uns ganz nett unterhalten. Nichts spektakuläres einfach nur zwei Frauen, die miteinander reden. Und irgendwann sagte sie, dass ihr dieses ruhige Arbeiten im Garten gut tut. Das sie zu Hause immer in einen Stress kommt, um etwas noch schnell schnell fertig zu bekommen und sie sich dann oftmals überarbeitet und die Arbeit auch nicht mehr geniessen kann. Klang sehr nach mir. Nach der Pause ging ich wieder an meine Arbeit und als ob unser Gespräch bei mir wieder eine Tür aufgestossen hatte, merkte ich, wie meine ‚ich will fertig werden‚ Anja die Oberhand gewann, sich Nervosität aufbaute, sich Fehler einschlichen und die ‚ich will immer alles schaffen‚ Anja keinen Spass mehr hatte. Irgendwann schickte ich die Anja in die Wüste und sagte ihr, dass wenn ich es nicht schaffe, die Arbeit 100% auch noch am Mittwoch auf sie warten würde. Aber ist schon komisch. Ich bin so konditioniert auf’s Abschliessen, auf’s Fertig kriegen, auf’s Beenden, dass alles andere eine Niederlage ist. Wenn ich meine Arbeit nicht schaffe, was sagt das aus über mich? Hier in Findhorn eigentlich nichts. Aber zu Hause? Wem muss ich eigentlich immer etwas beweisen? Mir? Dir? Der Welt? Dem Universum? Oder doch nur mir?

day49

Wer ist wer?