Mittwoch. Erntevormittag in Cullerne Garden. Gartenarbeit mit Barbara am Nachmittag.

Mittwoch ist immer nur der Vormittag in Cullerne Garten, denn am Nachmittag trifft sich das Gartenteam (ohne Volunteers und Service Exchange) für ein, wir würden es, Teamsitzung nennen, tuning in. Und Mittwoch ist Erntevormittag.

Was war heute also besonders an diesem sonst so normalen Mittwochvormittag? Es begann damit, dass am Morgen zwei Frauen mit im Kreis standen, die nicht im Garten arbeiten, sondern Klangschalen machen. Ja, nicht verkaufen, sondern richtig machen. Sie hatten die Bronzescheibe dabei, aus der eine Klangschale für Cullerne Garden geformt werden sollte und reichten sie im Kreis rum, damit die Energie von jedem von uns in die Schale einfliessen kann. Ein wirklich schöner Gedanke. Für mich stand das Wort ‚vulnerability – Verwundbarkeit‚. Nach der Schicht auf dem Weg zum Blue Angel Cafe habe ich die zwei Frauen wieder gesehen, die mittlerweile an der Klangschale begonnen hatten zu arbeiten. DSC_0363[1] Die Schale im Feuer wird unsere Cullerne Garden Klangschale. Es war toll zu beobachten, wie sich das Metall im Feuer veränderte, nicht nur die Farbe, sondern auch der Klang.

Aber zurück zur Ernte. Ich habe mich beim Grünkohl ernten über die unterschiedlichen Erwartungen an das Wort ‚sharing‚ unterhalten. Für mich ist ‚sharing‚ ein Dialog, in dem sich zwei oder mehrere austauschen. ‚Sharing‚ hier in Findhorn heisst einfach, was möchte ich den anderen mitteilen, ohne dass Fragen gestellt werden, ohne dass die Zuhörer reagieren oder in irgendeiner Art und Weise auf das Gehörte eingehen. Schon letztes Jahr während der Family Experience Week empfand ich das als schwierig. Wenn jemand sagt, dass es ihm schlecht geht, dass er traurig oder wütend ist, möchte ich doch wissen, ob ich etwas für die Person machen kann. Vielleicht, wenn ich ganz ehrlich bin, ist auch ein Funken Neugierde dabei. Heute z.B. hat jemand gesagt, dass er sehr traurig ist und die Tränen standen der Person in den Augen. Ich weiss nicht warum. Ich weiss nicht, ob ich hätte helfen können. Niemand hat die Person in den Arm genommen. Es wurde gesagt und damit Schluss. Mich würde mal interessieren, was der Ursprung von diesem Prozess ist. Für mich ganz persönlich kreiert er ein Gefühl der Isolation, der Einsamkeit. Ich kann zwar den anderen sagen, was ich fühle, bleibe aber in meinem Gefühl alleine. Oder alleine gelassen? Oder alleine zurückgelassen?

Auch der Umstand, dass sich das Gartenteam nur mit den Programmteilnehmern am Mittwochnachmittag zur Sitzung trifft, hilft nicht, sich als Teil des Ganzen zu fühlen. Gemeinschaft ist halt für jeden von uns etwas anderes. Aber es gibt auch immer wieder lichte Momente. Heute hat mich Luc z.B. wieder gebeten, das Gemüse zu waschen. Das ist ja nicht das erste Mal gewesen, aber was schön war, war das er mir sagte, dass es gut ist, mich zu haben. Jemanden der Verantwortung übernimmt und mitdenkt – nicht wörtlich übersetzt aber sinngemäss. Und da strahlte ich natürlich wieder mal wie ein Honigkuchenpferd.

Meine Mittagspause habe ich im Blue Angel Cafe verbracht bei einem Schluck grünen smoothy, einem Cafe latte und einem Stück Kuchen. Lecker.

Danach bin ich noch in die Boutique gegangen. Die Boutique ist ein Ort, wo man alles hinbringen kann, was man nicht mehr braucht: Kleidung, Bücher, Küchenutensilien, Spielzeug, Schuhe, Computer etc. Das einzige, was es nicht hat sind Lebensmittel. Wie bei uns Hiob. Der Unterschied ist, dass man sich alles auch kostenlos mitnehmen kann. Die, die es nicht mehr brauchen, bekommen kein Geld. Und die, die es brauchen, müssen kein Geld bezahlen. Heute habe ich eine schöne Strickjacke gefunden, einen Rock, den ich noch anprobieren muss, eine Mütze, denn hier ist plötzlich der Herbst eingebrochen und einen blauen Schal für eine gute Freundin, die für die nächsten Wochen und Monate ihren Hals schmücken möchte. Sandra, wenn du es liesst – der Schal kommt. Könnte so etwas auch bei uns zu Hause funktionieren? Oder wäre die Boutique eher leer, oder voll mit Müll? Hier in Grossbritannien ist die second hand Mentalität weit mehr verbreitet als in der Schweiz. Als ich hier lebte, habe ich fast alle Möbel second hand gekauft und habe unzählige Samstage damit verbracht, durch second hand Läden auf Schatzsuche zu gehen. Dabei haben oft Preis und Qualität gestimmt. In Hiob habe ich oft genug Bücher z.B. gefunden und dann beim Preis eher geschluckt.

Den Nachmittag war ich bei Barbara und wir haben wieder etwas in ihrem Garten gemacht. Die erste Aufgabe war, Kletterrosen festbinden. Nun sollte ja eigentlich kein Problem sein. Aber ich und Leitern stehen auf Kriegsfuss seit den Operationen. Das ist etwas, was nie wieder gekommen ist: die Sicherheit auf der Leiter. Wenn ich mich nicht irgendwo mit einer Hand festhalten kann, kann ich auf keiner Leiter stehen. Das habe ich auch dieses Jahr beim Kirschen Pflücken immer wieder festgestellt. Da spielt mein Gleichgewichtssinn mir einen Streich. Aber so die 20 cm über dem Boden habe ich noch hinbekommen und danach mich wieder Aufgaben gewidmet, denen ich gewachsen bin: Unkraut jäten 🙂

day51so schön unscharf