Cullerne Garden. Bett.

Wann auch immer ihr gedacht habt, ich bin eine unerschöpfliche Energiequelle, dann trete ich heute den Beweis für das Gegenteil an.

Schon an Morgen war ich mir unschlüssig, was ich eigentlich machen wollte. Da aber der Schottische Himmel der Wettervorhersage trotzte und in einem strahlenden blau daher kam, schwang ich mich auf mein Fahrrad und fuhr nach Cullerne Garden.

Beim im Kreis stehen, sich vorstellen und kurz sagen, wie es einem ging („check-in„), sprach ich aus, was vorher nur in meinem Kopf war. Das Erntedankfest am Samstag, so toll es auch war, hatte auch einige negative Momente für mich, also beschrieb ich meine Stimmung mit Worten wie „enttäuscht, verärgert, wütend, frustriert…“. Vielleicht hatte ich solche Gefühle vorher nie laut geäussert, aber auf jeden Fall wurden sie gehört und ich wurde von mehreren aus dem Team während der Schicht gefragt, was mit mir los sei. Dazu muss man wissen, dass der morgendliche „check-in“ ein sich äussern ist, das aber von den anderen nicht kommentiert wird. Wenn also jemand sagt, es gehe ihm schlecht, dann hört das Team es, reagiert aber in der Regel nicht. Umso erstaunter war ich, dass mich also mehrere ansprachen. Das gab mir eigentlich zum aller ersten Mal die Gelegenheit, ganz ehrlich meine Erfahrung und die damit verbundenen Gefühle zu beschreiben. Und nicht alle Erfahrungen waren immer nur positiv.

Auf jeden Fall verging die Schicht relativ schnell. Ich habe Abfälle für den Kompost mit dem Traktor abgeholt, geerntet, Gemüse gewaschen und die Küche mit aufgeräumt nach der Teepause.

Heute gönnte ich mir mal wieder so ein richtig grosses Mittagessen im CC. Und während wir so assen, sah ich, wie sich der Himmel verdunkelte. Ich entschied mich, nach Hause zu fahren und einen Artikel für die Rainbow Bridge, die Zeitung der Findhorn Community, zum Abschluss unserer drei Monate, zu schreiben. Und während ich so dahinradelte, kamen die Wörter und Sätze wie von selbst.

Zu Hause angekommen, machte ich mir einen Kaffee und wollte mich nur kurz ausruhen, meine yin Pause machen. Eine Stunde später zwang ich mich regelrecht aus dem Bett. Der Kaffee war mittlerweile kalt geworden und alle Wörter und Sätze für den Artikel waren weg. Ich glaube, man sagt dazu „Schriftstellerblockade“ 🙂

Ich gestehe, anschliessend habe ich meinen Nachmittag und Abend damit verbracht, fb zu lesen, youtube videos anzuschauen und dann sogar einen ganzen Film. Ich war einfach zu nichts zu gebrauchen. Und jetzt liege ich hier im Bett, schreibe diesen Text und mein Hinterteil tut mir weh. Ich denke, der Muskelkater von unserer gestrigen Fahrradtour hat mit voller Wucht eingesetzt. Ich kann mich kaum bewegen.

Und morgen beginnt unser 10-Tage-Countdown, bevor wir Schottland wieder verlassen. 🙁

day84

Verschlafenes Frühstück