Freunde. Freunde. Und noch mehr Kaffee 🙂

Heute war ein schöner Tag. Ein Tag, an dem ich einige meiner Freundinnen, wenn auch nur für sehr kurze Zeit gesehen und in den Arm genommen habe. Ich bin dankbar dafür.

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mit Corinne dem Geburtstagskind
Heute früh habe ich Alina zu ihrem Freund Joel und Lara zu ihrer Freundin Anja gebracht, und mich dann zu Joel’s Mama, Corinne, gesetzt. Es war ihr Geburtstag und doch fühlte ich mich beschenkt. 2 Kaffee und ein Stückchen frischen Zopf später, musste ich schon wieder los, denn ich wollte noch die Einladungskarten für meine Fotoausstellung im nächsten Jahr beim Veranstalter abgeben.

Als das erledigt war, fuhr ich nach Fribourg, um mit Florian und seiner Freundin, Mittag zu essen, und auch dort einen Kaffee zu trinken. Das war besonders schön, denn ihr Baby hätte schon vor einigen Tagen kommen sollen, lässt sich aber Zeit. Und so hatten wir ein letztes Mal ein  „Erwachsenengespräch“ ohne den neuen Erdenmenschen.

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mit Romi
Danach fuhr ich wieder nach Gurmels. Dort hatte ich genau 25 Minuten mit Romi, die mir ihre Pause opferte, um mit mir einen weiteren Kaffee zu trinken 🙂 Als ich allerdings in der Kibe, ihrem Arbeitsplatz, ankam, sah ich ein weiteres mir bekanntes Gesicht.
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mit Edith
Von Edith hatte ich nichts im Vorfeld gehört, und war deshalb umso freudiger überrascht, sie, wenn auch nur ganz kurz, umarmen zu können.

Und dann ging es schon weiter zu einer weiteren Freundin. Auch sie kenne ich schon einige Zeit, wie lange weiss ich gar nicht mehr. Das Gefühl, einander zu verstehen in der Krankheit, in der Ungewissheit, im Leiden brachte uns näher. Wir haben viel miteinander erlebt und sie hat mich heute besonders bewegt. Zwar machte ich auch von uns ein Foto, aber sie bat mich, es nicht zu posten, was ich natürlich respektiere. Mich hat es deshalb so bewegt, da es darum geht, wie wir uns sehen, in einer Krankheit. Unsere offensichtlichen Narben sind akzeptable. Aber was machen wir mit den anderen: den Nebenwirkungen von Medikamenten, Operationen, Behandlungen? Wie offen gehen wir mit dem emotionalen und psychologischen Folgen einer Erkrankung um? Wie denken die Anderen über uns? Oder besser gefragt, was denken wir, was die Anderen über uns denken? Fühlen wir uns verurteilt oder verurteilen wir uns selber? Ich mag mich erinnern, wie befreit ich mich damals 2010 gefühlt habe, als ich endlich meine Haare ganz kurz geschnitten hatte. Ich hatte meine Haare auf Grund einer Bestrahlungstherapie zum Teil verloren und hatte irgendwie versucht, das zu verdecken. Warum? Wollte ich meine Mitmenschen nicht schockieren oder wollte ich mein Leiden verstecken? Ich mag mich noch erinnern, ich habe einen Tag als Prüfungsexpertin in Bern gearbeitet und versteckte meine Halbglatze unter einer Kopfbedeckung. Einer meiner Kollegen machte eine Bemerkung im Sinne von, ob ich zum Islam konvertiert sei. Nach der Mittagspause kam ich an meinen Arbeitsplatz zurück ohne Kopfbedeckung. Das Lachen auf seinem Gesicht erstarb, und er war peinlich berührt. Warum ich mich zu dem Schritt entschied? Wollte ich mich „rächen“? Wollte ich ihn bloss stellen? Vielleicht beides. Aber da war auch ein Teil in mir, der sich nicht mehr verstecken wollte. So sah ich nun mal aus in der Zeit. Diese „Frisur“ gehörte zu mir. Und irgendwann brauchte ich das auch nicht mehr und liess mir die Haare kurz schneiden. Zwar hatte ich immer noch eine Halbglatze, aber sie fiel nicht mehr so auf. Ich hatte gelernt, den Teil der Erkrankung anzunehmen. Für mich ist es heute heilsam, wenn ich merke, wo überall meine Narben sind: sichtbare und unsichtbare, physische und psychische und auch die emotionalen. Ich mag sie nicht verstecken, keine. Was andere von mir denken – nun, sollen sie denken. Ich wünsche meiner Freundin, dass sie alle ihre Narben annehmen lernt. Sie gehören zu uns und machen uns zu der Person, die wir sind.

Mit einiger Verspätung kam ich dann bei unseren Mietern an. Wir erzählten, fanden heraus, wie der Steamer zu entkalkten ist und verzweifelten am Wechseln des Beutels im Staubsauger. Und genau der war der Grund, dass ich die Kinder auch mit einiger Verspätung bei ihren Freunden erst abholen konnte. Sorry, liebe Mamas und Papas.

Beim Einsteigen ins Auto traf ich noch auf eine weitere Bekannte und auch wir wechselten kurz ein paar Worte. Ich kenne scheinbar doch ein paar Leute hier 🙂

day99
Raclette Abend